10/13/2008

segen. oder fluch. und was HAL9000 damit zutun hat.

während das internet in seiner derzeitigen form ein produkt modernster technik ist (serverfarmen, suchalgorithmen, browserengines und so weiter) und von mir, menschen, die mich kennen werden das wissen, verehrt wird und es sicherlich das medium der zukunft ist, so wird es wohl auf mittelfristige sicht hin das fernsehen verdrängen, durch video on demand etc., so ist es doch ein produkt modernster technik, die von mir zwar ebenso verehrt wird, allerdings mit zunehmendem misstrauen. 

internet, das heißt vernetzung. nie zuvor waren so viele informationen so leicht zugänglich. nie zuvor konnte man sich in bruchteilen von sekunden videos aus weit entfehrnten teilen der welt ansehen, nie zuvor konnte man schneller und günstiger kommunizieren und nie zuvor konnte man so viel über welches thema auch immer herausfinden. 

mussten journalisten früher das recherchieren erlernen und in einem langen prozess bücher und archive durchsuchen, reicht heute ein stichwort und in 0.16 sekunden werden 661.000.000 texte mit dem wort "sex" gefunden und aufgelistet. 
0,16 sekunden. 
die treffer der ersten google-ergebis-seite sind die am meisten geklickten. und so wird es immer bleiben. denn alles was danach kommt hat zwar bestimmt mit dem thema zutun, ist aber nicht "community approved", sprich - es haben nicht genügend leute angeklickt, es ist also vermutlich nicht so interessant, so "wichtig". 
entscheidet google über relevanz? 
das ist schwer zu sagen. 
ist es eher die community, die "netzgemeinde"? das wäre wünschenswert. und sicher ist es irgendwo noch so. 
aber interessen und profit stehen auch im internet an erster stelle. nicht umsonst (im wortsinn) sind die ersten drei treffer beim stichwort "sex" bei google links auf die seiten von "sex.de", eine sicher teure domain, "menshealth.de" und "clipfish.de". 
teile von großen verlagen. 
dann folgt wikipedia. 
und dann wieder kommerzielle angebote. 
klar, wir reden von sex, das kostet eben, wie sieht das denn aus bei einem anderen begriff...
sagen wir "apple". 
im internet ist die erste assoziation beim wort "apple" der computer. nicht die frucht. 
469.000.000 treffer in 0,07 sekunden. 

eine anzeige und die website apple.com. das sind die ersten drei treffer. dann foren und blogs. zu den computern. nicht zum apfel. weniger verwunderlich, da "apple" im deutschen eben "apfel" ist nicht "apple" und google weiß, von wo ich auf das internet zugreife. trotzdem... eine übersetzung wäre doch schön. 

und das heißt...? 

während das internet möglichkeiten bietet wie kein anderes medium seit dem marktplatz der antike im bezug auf kommunikation und meinungsbildung, informationsbeschaffung, recherche und entertainment so ist die gesamte maschinerie dahinter doch bloß der anfang einer überwachung. 
flächendeckend. 
diese gefahr ist bekannt. jeder weiß davon. und jeder nimmt es in kauf. auch ich. 
aber wo soll das hinführen? 
hilft einem das internet auf der einen seite beim schnellen finden der pressemittelung für die neuen macbooks, so zeigt es einem beim begriff "apple" eben nur die computer an. 
und nicht diese kleine webdesignschule, die den apfel als logo hat. nicht die plattenfirma der beatles. und vor allem nicht die frucht. die gibt es länger als apple inc. 

alles nur beispiele. beispiele für die zwei seiten der medaille. 

im produktionsprozess von autos werden die bewegungen der mitarbeiter per sensoren in der dienstkleidung genauestens überwacht. 
vergisst ein mitarbeiter bei der endkontrolle eine der immer gleichen bewegungen, macht ihn der computer darauf aufmerksam. er vergleicht die bewegungen des individuums mit vorher gespricherten idealabläufen. 
macht er ihn aufmerksam oder ermahnt er ihn? 
auf jeden fall setzt der computer den menschen in relation zu idealen. entsprechen wir nicht dem eingespeicherten ideal, sagt uns der computer das. 
ist es so weit gekommen, dass wir auf einen computer hören?
oh ja, denn die maschine wirds schon wissen. vielleicht murmelt der mechaniker ja auch unbewusst ein "sorry", während er den ablauf nachholt. er entschuldigt sich bei der maschine. 

der mensch wird in relation gesetzt. den maßstab hierfür legen maschinen an, die zuvor von menschen in bester absicht programmiert wurden. um effizenz zu steigern, um gewinnmargen zu erhöhen. 
ist der computer allerdings erstmal programmiert, vergisst er so schnell nicht. die zeiten, in denen man den stecker ziehen konnte, sind vorbei. 

ein computer hat auch keine toleranzen. 
angenommen, meine katze ist in den garten meines nachbarn gelaufen und will da nicht mehr raus. 
mein nachbar ist im urlaub, ich kann ihn also nicht bitten, mir die tür zu öffnen. ich klettere über den zaun und hole meine katze. ich klettere auch wieder zurück, gar kein problem, ich setze meine katze auf mein sofa und hole meine mails ab. 
nach ein paar minuten klingelt die polizei bei mir. das sicherheitssystem meines nachbarn hat registriert, dass ein mensch über den zaun geklettert ist. eine kamera hat ein bild von mir gemacht, das an die polizei geschickt, die hat es abgeglichen und herausgefunden, dass ich das war. 
dass ich auch wieder zurückgeklettert bin und meine katze in der hand hatte, spielte für den computer des sicherheitssystems keine rolle mehr. da war der notruf schon abgeschickt. 

na und? dann erklärt man der polizei das eben und gut. 
richtig. aber - für den computer bin ich über den zaun auf das grundstück meines nachbarn. keine diskussion. egal warum, es spielt keine rolle, keine toleranz. 

das alles ist ja noch gar kein problem, alles zu klären, aber das system kann nicht unterscheiden, weil es dafür keine daten hat. 

heute hat ein computer 25% beim sogenannten "turing test" erreicht. das bedeutet, dass ein computer in einem "gespräch", einem chat, durch künstliche intelligenz einen menschen fast davon überzeugen konnte, ebenso ein mensch zu sein. 
bei 30% hätte der mensch keinen unterschied gefühlt/gemerkt/registriert. 
nicht ohne grund wird der artikel zu diesem thema auf gizmodo.com von einem bild von "HAL 9000 begleitet, dem computer in 2001, der alle umbringen wollte. 

so weit ist es nicht. bis es soweit ist dauert es noch. aber die computer allein müssen ja gar nicht diejenigen sein, die uns alle überwachen und irgendwann töten. 
es reichen computer plus regierung. eine regierung, die systematisch angst verbreitet und den bürgern so versucht mitzuteilen, dass alles nur zu ihrem eigenen schutz passiert. 


wie auch immer... ich will ja gar nicht den teufel an die wand malen. ich sags ja nur mal. weil man bei allem wunderbaren, allen segen, aller kreativität, aller information und wasweißich nie vergessen sollte, dass alles zwei seiten hat. 
die zweite seite des internets, also der modernen technik, ist eine ganz gefährliche und könnte alles das, was das internet in der theorie vollbringen könnte und heute schon ansatzweise tut, ins gegenteil verkehren. 

gezielte information = gezielte desinformation
freie kommunikation = unfreie kommunikation

und so weiter. 


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